Kunstdokumentationen
Es gibt ganz viele Möglichkeiten, über Gegenwartskunst zu sprechen. Nun ja, “sprechen” ist eigentlich ein ziemlich deplazierter Begriff. Hier geht es eher um schreiben, abbilden und filmen – alles von klassisch bis multimedial. Doch wo liegen die Unterschiede?
Am Anfang war das Wort – so auch hier. Nun, die meisten Texte findet man natürlich bei Zeitungen und diese sind ziemlich repräsentativ für sprachliche Rezeption von Kusnt. Die andre Variante, die etwas dynamischer und interaktiver ist, sind Weblogs – da Zeitungsartikel einen nun auch online nachzulesen sind und Kommentarfunktionen haben, verkleinert sich jedoch hier der Unterschied langsam aber sicher. Da dies eine Qual der Wahl zu sein scheint, habe ich hier als Beispiel sowohl einen Zeitungsartikel als auch einen rein elektronischen Beitrag ausgewählt. Gute Posts auf Blogs sind jedoch sehr rar, weshalb ich hier einen kleinen Kunstgriff gewagt habe und als erstes Beispiel das bereits erwähnte Dokument zur Ausstellung “Inmitten des Prinzips”. Es handelt sich hierbei um einen Pressetext, jedoch ist es ein gutes Bepspiel einer konsistenten Beschreibung einer Ausstellung inklusive weiterer Gedanken.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Der Text ist rasch gelesen und bietet einen guten ersten Eindruck sowie einige Ansatzpunkte zu Gedankengängen. Zudem werden die Künslter vorgestellt und das Ganze mit einigen hübschen Adjektiven abgerundet. Klar, klassisch und typisch, also ideal zur Betrachtung. Nun, ein Vorteil von der Diskussion einer Ausstellung mittels Text ist sicher die Immagination: Wenn wir einen Text lesen, schaffen wir die Bilder mittels unserer Vorstellungskraft. Mit diesen vorgefassten Ideen dann tatsächlich die Ausstellung zu besuchen ist jedenalls spannend. Für eine Rückschau oder Kritik von Konzeptkunst wird es schon ein wenig komplizierter: Hier haben wir zwar eine Vorstellung, jedoch bleibt ein Manko: Wir können durch den Autor implizierte Interpretationen nachlesen, aber ohne solche Kunst zu erleben, fehlt die Möglichkeit, selbst Assoziationen zu knüpfen – wir können dies bloss aufgrund einer Beschreibung, aber das Werk wird in unseren Gedanken nie so erscheinen, wie es wirklich ist. Deshalb eignen sich Texte vor allem in der Presse als Ausstellungskritken – ein Entscheidungskriterium, ob wir denn nun diese Ausstellung sehen wollen oder nicht.
Obwohl dies hier etwas aus dem Kontext gegriffen scheint, gibt es auch noch das Umgekehrte. Ein actiongeladener Text, welcher viele narrative Elemente aufweise, kann auch klassische Kunst beschreiben. Das Paradebeispiel hierfür ist noch immer der damals umstrittene Artikel “Ein schauriges Theater” von NZZ-Kulturredaktor Samuel Herzog. Natürlich werden jetzt alle sagen, einem Journalisten, der seine Artikel auf einem Mobiltelefon schreibt, ist alles zuzutrauen – offenbar sogar Wagemut. Interessant wäre hier, wie eine solche Herangehensweise (vielleicht noch etwas ausgeschmückter) bei einer aktuellen Ausstellung von Konzeptkunst wirken würde – wohl ein wahrer Publikumsmagnet unter den lesern des Kulturteils. Da jedoch hier keine Konzeptkunst diskutiert wurde, empfanden viele Leser die Herangehensweise als unangebracht – die Art der Kunst scheint also stark mit den Regeln für einen Text, der sie beschreibt, verbunden zu sein.
Ein Bild sagt angeblich mehr als tausend Worte – natürlich stimmt das so nicht, weil ein Bild auch nur aus einer Farbe bestehen kann. Aber eine auf Bildern basierende Dokumentation eines vergänglichen Kunstprojektes kann durchaus einiges leisten. Ich habe hier als Beispiel “Song for the Banished” von eggerschlatter gewählt. Ein kurzer Text begleitet die Bilder, jedoch liegt der Schwerpunkt auf der visuellen Dokumentation. Da es sich um eine Videoinstallation handelt, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei den Bildern um Filmstills handelt. Diese decken zwar (vermutlich) die ganzen wichtigen Stellen des Videos ab, sind jedoch eher visuelle Impressionen eines grösseren Ganzen – also Ausschnitte. Sie eignen sich gut, um einen Gesamteindruck zu vermitteln. Für eine Videoinstallation würde ich jetzt zwar entweder Bilder der ganzen Ausstellung oder gleich das gesamte Video bevorzugen – wobei es sich bei letzterem auch nicht mehr wirklich um eine Dokumentation handeln würde. Jedoch sind Bilder sehr gut geeignet, um einen optischen Gesamteindruck eines Werks oder einer Ausstellung zu vermitteln – am besten in chronolgischem Ablauf (des Videos oder des Ausstellungsbesuchs, wobei Letzteres eine Art von virtuellem Flanieren ist).
Zum Ende nun das multimedialste aller betrachteten Elemente: Das Video. Auch hier kann man zwischen vielen Formen unterscheiden – der Einfachheit halber teile ich sie nun in zwei Grundtypen auf: Einerseits der Bericht, andererseits der Eindruck.
Der Bericht ist (oder entspricht) einem Beitrag in einer Fernsehsendung, zusammen mit Kommentar, sauberem Schnitt und eingeblendeten Titeln, wo notwendig. Da wir alle solche Berichte kenne, wähle ich hier die leicht abgewandelte Form, einen Trailer (Erstes Video unten). Hier wird eine Ausstellung mit den für den Film üblichen Elementen vorgestellt. Der Vorteil hierbei ist, das bewegte bilder mit Ton und Einblendungen kombiniert werden können – also Ideal für eine Vorschau, welche einen genaueren Eindruck vermitteln und auf Beschreibungen verzichten soll.
Der Eindruck hingegen ist frei und folgt keinen strikten Regeln. Eine impressionistisch anmutende Betrachtungsweise von Kunst (Zweites Video). Hierbei interagiert die Kamera und auch die Betrachter mit dem Raum, der Kunst und auch den Besuchern. Hier liesse sich jedach auch sagen, dass das Video an sich bereits wieder künstlerische Aspekte enthält und somit eine Form von kunstwerk ist, welches Kunstwerke zeigt.
Trailer: Ausstellung “un-gemüt-lich”:
Friendly Video Graffiti @ Museum für Gegenwartskunst Basel
