Pop is honest and so am I
Dass der Zürcher Kreis 4 eine erstaunlich hohe Dichte an Galerien – und damit auch Kunst – aufzuweisen hat, ist allgemein bekannt. Doch selbst als Bewohnerin des Viertels erkennt man meist nur jene, welche gleich an der Strasse stehen. Die junge Galerie Claudia Groeflin ist jedoch etwas zurückversetzt in einem jener zahlreichen Höfe, welche man nur kennt, wenn man richtig durch die Stadt streunt.
Momentan ist in der Galerie die Ausstellung Pop is honest and so am I des jungen Balser/Zürcher Künstlers Fabian Chiquet zu sehen. Natürlich verwendet man den Begriff “jung” sehr relativ, doch ich war trotzdem etwas erstaunt, als ich feststellte, dass er meinen Jahrgang hat – so weit hätte ich es also ereits bringen können, wenn ich nicht Theoretikerin wäre.
Die Ausstellungen ist in der Galerie über zwei Räume auf zwei Stockwerken verteilt, welche übereinander liegen. Da man irgendwo anfangen muss, sah ich mich zuerst einmal kurz oben um, wo alles ziemlich hell erschien. Es sind mehrere Bilder symmetrisch nebeneinander aufgehängt, die alle einen hellen Grund haben und deren Glas das Licht der Leuchtsoffröhren an der Decke reflektieren. Zur meiner Rechten sind sechs Bilder aufgehängt, an der Wand gegenüber der Türe zwei weitere. Die verbleibende Wand ist nicht mit Bildern behängt, sondern leer. Sämtliche Schriften auf den Bildern sind in einem auffälligen, doch nicht hervorstechenden Rotton, welcher nahe an Rosa liegt und an Leuchtsifte erinnert.
Da jedoch extra ein Mitarbeiter der Galerie die Installation für mich einschalten musste, entschied ich mich ziemlich rasch, mich unten umzusehen. Über eine Treppe in der Mitte des Raumes gelangt man in den unter ihm liegenden Raum. Gleich gegenüber der Treppe ist auffällig und an prominenten Stelle ein Bildschirm zu erkennen, auf welchem eine Videoinstallation mit Chris Crocker zu sehen ist. Jedoch fallen beim betreten des Raumes noch weitere Dinge auf. Der Boden ist mit gelben Isolierband gestreift und dazwischen ist mit etwas Mühe aus der richtigen Perspektive üer beide Seiten der Treppe verteilt “We know what people want from us” zu lesen. Darüber huschen farbige Lichter, welche an eine Discokugel erinnern – die Quelle davon ist schliesslich unter der Treppe zu finden (siehe Video am Ende des Posts). Auch Musik ist zu hören, wenn ich sie jedoch nicht einordnen konnte. Auch in diesem Raum hängen Bilder an den Wänden – insgesamt vier; sie sind jedoch stilistisch unterschiedlich, plastischer und farbiger.
Die gesamte Ausstellung vermittelt einen vielseitigen Eindruck. Während die hellen Bilder im oberen hellen Raum mit den weissen Wänden sehr an eine klassische Ausstellugnssituation mit einem Touch von White Cube. In den Bildern selbst kann man jedoch durchaus Pop-Elemente ausmachen, seien es direkte Aussagen im Text, Bilder wie beispielsweise jenes von einer Discokugel oder auch die Farbe des Textes.
Der untere Raum vermittelt bereits einen Starken Disco- oder Konzerteindruck wegen der Lichtsinstallation und der deshalb eher schwachen Beleuchtung. Das gelbe Klebeband auf dem Boden und der Versuch, den damit angebrachten Text zu entziffern, bringt dazu etwas optische Unruhe in den Raum.
Stellt sich bloss noch die Frage nach der Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit des Pop und der Popkultur. Nun, ich werde hier nicht eine genaue Analyse des Titels machen – doch bereits die Stichworte auf der Pressemitteilung der Galerie scheinen sehr passend und stimmten mit meinen Eindrücken überein: Kalkulierbarkeit der Pop-Industrie, vorgetäuschte Spontaneität und Authentizität. Und ich glaube, dass alle von uns mit Recht behaupten können, sich zu etwas in diesem Kontext schon Gedanken gemacht zu haben.
